Parks Madrid

Madrid ist grüner, als man denkt

Wer Madrid zum ersten Mal besucht, erwartet eine laute, staubige Großstadt. Das stimmt für manche Viertel – und stimmt doch nicht, sobald man einen Blick auf die Stadtkarte wirft. Kaum eine europäische Hauptstadt hat so viel Grünfläche wie Madrid, von winzigen Stadtplätzen mit Brunnen bis zu ausgedehnten Parks, in denen man stundenlang wandern kann. An heißen Tagen sind diese Grünflächen nicht nur Freizeitorte, sondern echte Lebensretter.

El Retiro – der König unter den Parks

Der Parque del Buen Retiro, von allen einfach Retiro genannt, ist das grüne Herz der Stadt. Früher königlicher Garten, heute öffentlicher Park, erstreckt er sich über 120 Hektar zwischen Prado und Salamanca. Mittelpunkt ist der kleine See, auf dem man Ruderboote mieten kann – ein Klassiker, besonders am Wochenende. Drumherum reihen sich schattige Alleen, Rosengärten und Skulpturen aneinander.
Zwei Höhepunkte sollte man nicht verpassen: den Palacio de Cristal, ein Gewächshaus aus Glas und Stahl aus dem 19. Jahrhundert, in dem heute Kunstausstellungen stattfinden. Und die Rosaleda, ein Rosengarten, der im Mai und Juni in voller Blüte steht. Am Sonntagmorgen spielen im Retiro oft Straßenmusiker, Tänzer treffen sich zum öffentlichen Tango, und Familien breiten Picknickdecken aus. Es ist einer dieser Orte, an denen sich die Stadt am ehrlichsten zeigt.

Casa de Campo – Stadtwald im Großformat

Die Casa de Campo im Westen der Stadt ist zehnmal größer als der Retiro und damit der größte städtische Park Spaniens. Ursprünglich Jagdrevier der spanischen Könige, ist er heute ein halb wilder Stadtwald mit See, Zoo, Vergnügungspark und einem Seilbahn-Eingang vom Parque del Oeste aus. Wer laufen, Rad fahren oder einfach mal vom Stadtlärm weg will, findet hier seinen Platz.

Ein Tipp: Die Teleférico de Madrid, die Seilbahn, bringt Sie vom Parque del Oeste bis mitten in die Casa de Campo und bietet unterwegs spektakuläre Ausblicke. Ein kleiner Ausflug, der wenig kostet und viel bringt – gerade mit Kindern.
Weniger bekannte Grünflächen
Der Parque del Capricho im Nordosten der Stadt ist ein Geheimtipp: ein Park aus dem 18. Jahrhundert mit Labyrinth, Pavillons und einem kleinen Palast, öffentlich zugänglich, aber nur am Wochenende. Der Madrid Río, eine lange Flusspromenade entlang des Manzanares, entstand aus dem Tunnelprojekt M-30 und ist heute eine beliebte Strecke für Jogger und Radfahrer.
Der Jardín Botánico neben dem Prado ist ein ruhiger botanischer Garten mit Eintrittsgebühr. Für alle, die nach einem Museumsbesuch kurz durchatmen wollen, ideal.
Parque del Oeste und Templo de Debod
Der Parque del Oeste liegt hoch über dem Manzanares und wird vor allem abends voll, wenn Madrilenen kommen, um den Sonnenuntergang hinter dem Templo de Debod zu sehen. Dieser echte ägyptische Tempel wurde in den 1960er-Jahren Stein für Stein aus Ägypten nach Madrid transportiert – ein Geschenk als Dank für spanische Hilfe beim Bau des Assuan-Staudamms. Wenn die Sonne hinter dem Tempel untergeht, sieht das fast kitschig gut aus. Bringen Sie ein kaltes Getränk und Zeit mit.

Madrid Río und Alltag im Park

Parks sind in Madrid keine reinen Ausflugsziele, sondern Teil des Alltags. Menschen treffen sich hier auf einen Kaffee, machen Sport, gehen mit Hunden spazieren oder feiern den Geburtstag ihres Kindes. Wer eine Stadt wirklich verstehen will, sollte sich an einem beliebigen Samstagnachmittag für zwei Stunden auf eine Bank im Retiro setzen und einfach zuschauen. Man lernt mehr über Madrid als in den meisten Museen.