Nachtleben Madrid

Madrid schläft später als andere Städte

Wer um 22 Uhr in einer Bar sitzt und denkt, jetzt geht es los, liegt in Madrid falsch. Die Stadt kommt langsam in Schwung. Vor Mitternacht ist in den meisten Clubs gähnende Leere. Um zwei Uhr wird es voll, um vier geht es erst richtig los, und viele Lokale schließen erst, wenn die Metro morgens wieder aufmacht. Das Madrider Nachtleben ist eine Disziplin für sich – und eine der lebendigsten in Europa.

Malasaña – jung, alternativ, unprätentiös

Malasaña ist das Viertel für alle, die Indie-Musik, Craft Beer und enge Bars mögen. Rund um die Plaza Dos de Mayo reihen sich Lokale aneinander, in denen man nichts Schickes anziehen muss und trotzdem unterhaltsame Abende verbringt. Die Bar El 2 de Mayo ist Institution, ebenso das Ojalá mit Sandboden und Gericht. Clubs wie das Sala Sol oder das Independance Club spielen Rock und Indie, nichts für Freunde kommerzieller Musik.
Das Viertel hat eine besondere Geschichte: Hier begann in den 1980er-Jahren die Movida madrileña. Viele Lokale atmen diesen Geist bis heute.

Chueca – divers und stilvoll

Chueca war lange das Zentrum der LGBTQ-Szene und ist das in vielerlei Hinsicht bis heute – mit einer offenen, inklusiven Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen können. Die Bars sind oft kleiner und lebhafter als in anderen Vierteln, viele haben Terrassen. Die Calle de Hortaleza und die Calle de Pelayo sind die belebtesten Achsen.

Zu den bekannten Adressen gehören das Museo Chicote, eine klassische Cocktailbar aus den 1930er-Jahren mit beeindruckender Gästeliste (Hemingway, Ava Gardner, Frank Sinatra), und das LL Show Bar für alle, die auf Drag-Shows stehen. Das Viertel ist nachts entspannt sicher, auch für Alleinreisende.
Huertas und Barrio de las Letras
Die Calle de las Huertas ist eine der klassischen Ausgehstraßen Madrids – laut, voll und am Wochenende ein endloser Strom aus Menschen. Hier findet jede Generation etwas, von Studentenbars über Tapasbars bis zu Clubs mit 80er-Jahre-Musik. Das Viertel ist weniger authentisch als Malasaña, aber ein guter Startpunkt für Besucher, die verschiedene Bars an einem Abend ausprobieren wollen.
In der Nähe liegt das Kapital Club – über sieben Etagen verteilt, jede mit anderer Musik. Wer Vielfalt unter einem Dach will, ist dort richtig. Kommen Sie nicht vor ein Uhr nachts.
Cocktails, Rooftops und etwas ruhigere Alternativen
Nicht jeder Abend muss im Club enden. Madrid hat in den letzten Jahren eine starke Cocktailkultur entwickelt. Bars wie die Salmón Gurú (mehrfach ausgezeichnet), die 1862 Dry Bar oder die Del Diego in Chueca mixen auf hohem Niveau. Für Rooftops mit Aussicht lohnen sich das Círculo de Bellas Artes (Eintritt kostet 5 Euro, Getränke separat), die Terrasse des Hotel Riu Plaza España mit Glasboden und einige Hotelbars in der Gran Vía.

Clubs, Musik, Flamenco

Die großen Clubs wie Teatro Kapital, Joy Eslava oder Fabrik (letzterer außerhalb der Stadt) bringen internationale DJs und dichte Menschenmassen. Die Preise sind für Madrider Verhältnisse hoch, einschließlich Getränkepreis im Club. Für Live-Musik sind das Sala Caracol, das Moby Dick und das Café Central (Jazz) gute Adressen.
Wer Flamenco erleben will, sollte auf authentische Tablaos setzen, nicht auf Touristenvarianten. Das Corral de la Morería, Cardamomo und Torres Bermejas sind ernstzunehmende Orte mit hochklassigen Tänzern.

Praktische Hinweise

Die Metro fährt unter der Woche bis 1:30 Uhr, am Wochenende durchgehend. Wer später nach Hause will, nimmt Nachtbusse (Búhos) oder ein Taxi. Kleidervorschriften gibt es in den meisten Clubs kaum, aber Shorts und Flipflops werden an der Tür abgewiesen. Das gesetzliche Mindestalter für Alkohol liegt bei 18, in Clubs wird teilweise Ausweiskontrolle durchgeführt. Planen Sie auch am Folgetag nicht zu viel – ein Madrider Nachtleben-Wochenende will durchgeschlafen werden.